Upcycling in Straßburg – Leander (BGY24) berichtet über sein Auslandspraktikum
Leander aus der Jahrgangsstufe 12 des Beruflichen Gymnasiums des Adolph-Kolping-Berufskollegs hat sein Praktikum im Rahmen des Erasmus+ Programms vom 05.01. bis 30.01.2026 in einem Upcycling-Unternehmen in Frankreich absolviert, das aus alter Kleidung und Sofabezügen neue Kleidung und Accessoires herstellt und verkauft. In einem Interview mit unserer Europakoordinatorin und Fachlehrerin Frau Timpe erzählt er von seinen Praktikumserfahrungen im Ausland.
Warum hast du dich für ein Praktikum im Ausland entschieden?
Ich finde es spannend einen Einblick in eine andere Kultur zu bekommen und eine andere Stadt kennenzulernen. Ich möchte auch mehr von Europa sehen. Und dafür war das Praktikum eine gute Gelegenheit.
Warum ausgerechnet in dem Land?
Ich lerne Französisch als zweite Fremdsprache am AKBK und ich dachte, für den Spracherwerb kann es nicht schaden, mit Franzosen in Kontakt zu kommen und die Sprache wirklich anwenden zu müssen. Außerdem hat eine Mitschülerin aus der Oberstufe ihr Praktikum in dem Betrieb gemacht und ich interessiere mich sehr für Mode und Upcycling. Das hat einfach gut gepasst.
Wie sah dein Arbeitsalltag aus?
Mein Arbeitsalltag war sehr abwechslungsreich. Ich habe sehr viele unterschiedliche und spannende Sachen gemacht. Ich habe zum Beispiel alte Sofas auseinandergenommen und den Lederbezug und Jeansstoff von alten Hosen zugeschnitten. Daraus werden zum Beispiel Hausschuhe gemacht. Ich habe die fertigen Produkte zu unterschiedlichen Läden in Straßburg gebracht, mit denen der Betrieb kooperiert, und sie dort in die Regale eingeräumt. Ich habe auch Model gestanden für Produktfotos und selbst Produktfotos gemacht für die Homepage und Social Media. Es gab immer etwas zu tun und es hat sehr viel Spaß gemacht.
Welche Orte hast du besucht?
Ich war natürlich sehr viel in Straßburg. Die Stadt ist sehr sehenswert und es gibt viele Parks, Cafés und Museen, die ich auch besucht habe. Dann war ich in Kehl, das direkt neben Straßburg liegt, nur auf der deutschen Seite und man kann da mit der Straßenbahn hinfahren. Und ich war in Nancy, einer Stadt 100 km westlich von Straßburg, wo ich auf einem Geburtstag von Leuten eingeladen war, die ich in Straßburg kennengelernt hatte.
In welcher Sprache hast du kommuniziert?
Überwiegend auf Deutsch und Englisch. In Straßburg sprechen die meisten älteren Leute noch Deutsch und die jüngeren eher Englisch, neben Französisch natürlich. Ich habe mich größtenteils auf Deutsch und Englisch ausgetauscht und zum Teil auch auf Französisch, auch wenn das nicht ganz so gut funktioniert hat.
Was hast du Neues gelernt? Was hast du über dich selbst gelernt?
Ich habe meine Nähfertigkeiten verbessert und viel über den Entstehungsprozess von unterschiedlichen Kleidungsstücken gelernt. Ich habe gesehen, wie aufwändig es ist Kleidung herzustellen, weil ja jedes Kleidungsstück von Menschen gefertigt wird, nicht von Maschinen. Alles, war wir tragen, ging schon mal durch Menschenhände und auch wenn ich das theoretisch schon vorher wusste, ist mir durch das Praktikum bewusst geworden, was das für ein Aufwand ist. Und vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, wie viel Kleidung im Umlauf ist und wie viel Kleidung nach einmaligem Tragen teilweise einfach wieder weggeschmissen wird.
Über mich selbst habe ich gelernt, dass mir das Nähen sehr viel Spaß macht und dass ich das in Zukunft mehr machen möchte.
Was war das überraschendste, aufregendste oder tollste Erlebnis?
Ich fand es überraschend, dass Straßburg so eine junge Stadt ist und dort so viele junge und vor allem auch offene Menschen leben, mit denen ich Kontakte knüpfen konnte. Und was für mich auch erstaunlich war, ist dass so viele Leute dort Deutsch sprechen können. Auch das ist theoretisch und geschichtlich klar, aber es war mir bis dahin nicht so bewusst.
Gab es auch mal schwierige Situationen? Wie bist du damit umgegangen?
Nicht wirklich. Manchmal war die Kommunikation auf Französisch schwierig, aber dann hat man es halt auf Englisch versucht oder mit Händen und Füßen oder mit Google Übersetzer. So wirklich schwierige Situationen hatte ich eigentlich nicht.
Würdest du ein Auslandspraktikum weiterempfehlen?
Ich würde dieses Auslandspraktikum auf jeden Fall jedem empfehlen, der die Chance dazu hat, weil es einfach eine tolle Erfahrung ist und eine tolle Möglichkeit, Orte zu sehen, wofür man sonst nicht die Zeit oder das Geld oder die Gelegenheit hat, und dort auch über einen längeren Zeitraum zu leben.
Welchen Rat würdest du interessierten MitschülerInnen geben?
Offen zu sein, mit Menschen in Kontakt treten und aus seiner Komfortzone herauskommen. Wenn man längere Zeit an einem Ort lebt, sind soziale Kontakte wichtig. Ich habe nämlich gemerkt, dass ich eigentlich erst am Ende des Praktikums aufgetaut bin und dann die Leute kennengelernt habe, mit denen ich Zeit verbracht habe. Es wäre schön gewesen, wenn ich das schon am Anfang gemacht hätte.
Für weitere Informationen zu Auslandspraktika und Hilfe bei den Formalitäten steht Frau Timpe bereit.



